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Titelbild des Artikel: Die überdimensionierte Genossenschaft, die alles beherrscht

Die überdimensionierte Genossenschaft, die alles beherrscht

Wir alle kennen Ramseier, den Volg, die Landi und die Agrola-Tankstellen. Doch die wenigsten sind sich bewusst, dass diese Marken alle zu einem Konzern gehören: der Fenaco. Diese kontrolliert weite Teile der Schweizer Landwirtschaft und profitiert von der heutigen Agrarpolitik. Deshalb wehrt sie sich auch vehement gegen Reformen.

Während viele Bauernfamilien bescheiden verdienen, profitiert das Agrobusiness im grossen Stil von Direktzahlungen und Grenzschutz. Das ist nicht bloss eine Behauptung, sondern das Ergebnis einer vom Bund in Auftrag gegebenen Studie. Zum Agrobusiness gehören Produzenten und Händler von Pestiziden, Futtermitteln, Dünger und Saatgut, die Hersteller und Importeure von Maschinen, Grosshändler von Agrarrohstoffen bis hin zur Lebensmittelindustrie und den Detailhändlern. Sie alle profitieren von der heutigen Landwirtschaftspolitik, die sich zu wenig an den Bedürfnissen der Bauernfamilien, der Natur und der Konsument*innen orientiert, sondern am Profit der grossen Player.

Ein gewichtiger Akteur des Agrobusiness ist der Milliardenkonzern Fenaco, eine überdimensionierte Genossenschaft, die sich nach und nach die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Branchen einverleibt hat. Vom Kraftfutter der UFA, Pestizide von Agroline, dem Dünger in der Landi, über den Diesel von Agrola bis hin zur Abnahme der landwirtschaftlichen Erzeugnisse – überall hat die Fenaco ihre Hände im Spiel.

Politisch hat die Fenaco einen starken Einfluss. Die Fenaco ist Mitglied beim Schweizer Bauernverband und sitzt auch im Vorstand. Dutzende von National- und Ständerät*innen stimmen systematisch gegen Fortschritte in der Land- und Ernährungswirtschaft – und damit im Sinne der Fenaco.

Auf welcher Seite die Fenaco steht, hat sie kürzlich gleich doppelt bewiesen: Im Januar 2021 hat die Fenaco Einspruch gegen das Projekt «Biogemüse Seeland» erhoben und gefährdet damit die wirtschaftliche Zukunft der Biobäuerinnen und Biobauern in der Region. Und im Februar hat die Fenaco bekanntgegeben, dass sie sich mit mindestens 400’000 Franken gegen die Pestizid-Initiativen engagieren wird. Wäre doch schade um das gute Geschäft mit den Spritzmitteln, wenn das Schweizer Stimmvolk den Initiativen zustimmen würde!


Die Fenaco in Zahlen

Die Fenaco Genossenschaft hat 2019 erstmals die 7-Milliarden-Grenze an Umsatz geknackt:

  • Gut 2 Milliarden nahm sie im Bereich Detailhandel (Volg, TopShop und Landi) ein
  • Knapp 2 Milliarden im Bereich Agrar (Saatgut, Pestizide, Futtermittel, Agrartechnik, Getreide- und Ölsaaten-Vermarktung, Nutztiere)
  • Gut 1.5 Milliarden im Bereich Energie (Agrola)
  • Und gut 1.3 Milliarden im Bereich Lebensmittelindustrie (u.a. Ramseier, Ernst Sutter AG)

Ohne Fenaco geht in der Schweizer Landwirtschaft nichts. Die Fenaco ist heute ein regelrechtes Fenacoversum, dessen Marktanteile auch von langjährigen Brancheninsidern nur geschätzt werden können:

  • Im Düngerhandel beherrscht Fenaco mit Landor schätzungsweise 60 Prozent des Schweizer Marktes.
  • Bei den Futtermitteln dürften es mit UFA 50 Prozent Marktanteil sein.
  • Bei den Pestiziden wird der Marktanteil der Fenaco auf 60% geschätzt.

(Die meisten dieser Zahlen stammen aus der Landwirtschaftszeitung «Die Grüne»)