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Eine Produktion, die zur Schweiz passt

Die Agrarlobby warnt andauernd vor einer Ökologisierung der Landwirtschaft. Diese würde bloss die Schweizer Produktion schwächen und zu mehr Importen führen. Doch stimmt dieser Zusammenhang tatsächlich? Und wie sehen Lösungen aus, die nicht nur den kurzfristigen Profit im Blick haben?

Nahrungsmittel regional zu produzieren, ist sinnvoll. Lange Transportwege entfallen durch die Nähe, Arbeitsplätze in der lokalen Produktion und Verarbeitung werden gesichert und es sind direkte Beziehungen zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen möglich. Auch ethisch ist es richtig, die landwirtschaftliche Flächen der Schweiz für die Produktion von Lebensmitteln zu nutzen. Denn Ackerland ist auf der Welt knapp und es wäre moralisch fragwürdig, die Schweiz in einen Naturpark zu verwandeln und auf der anderen Seite alle Lebensmittel aus anderen Ländern zu importieren.

«Nicht zu wenig und nicht zu viel»

Ist es nun im Umkehrschluss richtig, auf Teufel komm raus möglichst viel in der Schweiz zu produzieren? Auch dies ist keine gute Idee, denn damit machen wir den Insekten und den Vögeln den Garaus, belasten Böden und Wasser und gefährden damit mittelfristig die Versorgungssicherheit. Was ist denn nun die Lösung aus diesem Dilemma? Ganz einfach: «nicht zu wenig und nicht zu viel», oder in der Fachsprache: «standortangepasst und ressourceneffizient». Dies schreibt sogar unsere Bundesverfassung vor: «Zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln schafft der Bund Voraussetzungen für eine standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion.» Nur, was heisst das konkret? Standortangepasst und ressouirceneffizient produzieren heisst:

  • Die Ackerfläche wird vorwiegend für die direkte menschliche Ernährung genutzt. Denn damit entstehen mehr für den Menschen nutzbare Kalorien, als mit der Produktion von Tierfutter. Das ist ressourceneffizient. Im Berggebiet können Wiederkäuer das Gras in für Menschen nutzbare Lebensmittel umwandeln.
  • Es werden Kulturen und Sorten angebaut, die an das lokale Klima und Böden angepasst sind. Produkte, die in anderen Ländern nachhaltiger produziert werden können, beziehen wir von dort.
  • Wir produzieren nur so intensiv, dass die Biodiversität, die Gewässerqualität und die langfristige Fruchtbarkeit der Böden nicht gefährdet sind.
  • Die Lebensmittelproduktion ist kompatibel mit dem Netto-Null-Ziel. Ansonsten können wir die Klimaerhitzung nicht stoppen.

Aber sind wir nicht schon auf gutem Weg?

Nun kann man sich fragen: Ist denn die Schweizer Landwirtschaft nicht bereits standortangepasst und ressourceneffizient? Mit teurer Werbung wird uns ja tagtäglich das Bild einer ökologischen und tierfreundlichen Schweizer Produktion vermittelt. Es gibt zwar sehr wohl Betriebe, die nach diesen Grundsätzen wirtschaften; in der Summe sind wir aber leider weit von einer nachhaltigen Landwirtschaft entfernt, wie ein paar Fakten zeigen:

  • Die Schweiz hält pro Fläche zu viel Nutztiere und importiert dafür Futtermittel im grossen Stil. Die Gülle dieser Tiere verschmutzt Seen und belastet die Luft mit Ammoniak.
  • Auf rund 60% der Schweizer Ackerfläche wird Tierfutter angebaut anstatt Lebensmittel für den direkten menschlichen Konsum. So gehen wertvolle Kalorien verloren.
  • Die Biodiversität der Schweiz nimmt laufend ab. So sind 60% der Insektenarten in der Schweiz gefährdet. 40% aller Brutvögel gelten als bedroht, erst im Jahr 2019 ist das Rebhuhn ausgestorben. Gründe dafür sind der schwindende Lebensraum, der Pestizid-Einsatz sowie der zu hohe Nährstoff-Eintrag.
  • Wir belasten Wasser, Luft und Böden mit einem ganzen Cocktail an (meist importierten) Pestiziden mit unvorhersehbaren Folgen für die Natur und unsere Gesundheit.
  • Um eine Lebensmittel-Kalorie zu produzieren, setzen wir heute 2.5 (meist fossile) Kalorien ein, beispielsweise in Form von Diesel für den Traktor, Kunstdünger oder für Bauten und Maschinen. Effizient ist dies nicht und importiert ist diese Energie auch.

Dass dem so ist, ist eine direkte Folge der Politik und ist nicht den Bäuerinnen und Bauern anzulasten. Über Jahrzehnte hat die Politik eine intensive Produktion mit immensen finanziellen Anreizen gefördert. Mit verzerrten Preisen und gezielter Werbung werden die Konsument*innen auch dazu verführt, zu viel einzukaufen und sich unausgewogen zu ernähren. Dies führt zu Food Waste und zu drastischen Belastungen für die Umwelt.

Wie kommen wir da raus?

Mit einer Reduktion des Einsatzes fossiler Energien, Pestiziden, Düngern und Futtermitteln kommen wir einer standortgerechten Landwirtschaft in der Schweiz näher – und vermeiden unnötige Importe. Wir senken so flächendeckend die Belastung der Seen und Bäche, der Wälder und Böden. Gekoppelt mit einer Erhöhung der Vielfalt im Kleinen – mit Mischkulturen, Hecken, Büschen, Hochstammobstgärten und Kleinstrukturen –, stärken wir die Biodiversität und schaffen eine attraktive Landschaft. Lebensmittel, die wir in der Schweiz nicht sinnvoll produzieren können, importieren wir nach Kriterien des nachhaltigen und fairen Handels.

Den grössten Effekt aber erzielen wir, wenn wir die die nachhaltige Ausrichtung der Agrarpolitik mit einer folgerichtigen Ernährungspolitik kombinieren. Die Ernährungspolitik soll eine gesunde und ökologische Ernährung der Bevölkerung ins Zentrum stellen, indem sie Anreize zur Senkung des Fleischkonsums sowie des Foodwastes setzt und einen saisonalen Konsum fördert. Mit einer solchen Ernährungspolitik lässt sich die leicht sinkende Produktion der Schweizer Landwirtschaft problemlos abfedern, wodurch am Ende gar weniger importiert werden muss als heute. Die Drohkulisse der zunehmenden Abhängigkeit vom Ausland fällt damit in sich zusammen.


Die Importmythen

Rund um Importe ranken sich viele Mythen. Ja, es gibt Importprodukte aus umweltschädlicher und tierquälerischer Produktion. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Ein paar Denkanstösse.

«Importe sind ökologisch schlechter als die einheimische Produktion.»

Wir tendieren dazu, Schweizer Produkte stets als besser zu beurteilen als importierte. Dies trifft aber längst nicht immer zu. Es hängt von sehr vielen Faktoren – wie dem konkreten Produkt, der Herkunft und der Verarbeitung, der Saisonalität, der Art des Anbaus und dem Transportmittel – ab, ob ein einheimisches oder ein importiertes Produkt ökologischer ist.

«Der Transportweg importierter Produkte ist umweltschädlich.»

Der Transport spielt aus ökologischer Sicht keine sehr grosse Rolle – solange die Produkte nicht eingeflogen werden. Denn der Anbau und die Verarbeitung machen im Mittel 87% der Umweltbelastung von Lebensmitteln aus. Im Vergleich dazu macht der Transport bloss 6% und die Verpackungen gar nur 1% der Umweltbelastungen aus.

«Mit Importen unterstützen wir Monokulturen und ausbeuterische Arbeitsbedingungen.»

Wenn wir an Importprodukte denken, kommen uns Bilder von endlosen Monokulturen, Massentierhaltung und miserablen Arbeitsbedingungen in den Sinn. Es ist richtig, dass die Schweiz von den übelsten Auswüchsen der industriellen Landwirtschaft verschont geblieben ist. Aber auch im Ausland sieht es es längst nicht überall wie auf diesen Schreckensbildern aus. Es gibt in allen Ländern vorbildliche Landwirtschaftsbetriebe, die ökologisch produzieren. Wir können auch bei importierten Produkten bestimmen, von welchen Produzentinnen wir beziehen wollen und von welchen nicht.

«Mit Importen gefährden wir die lokale Ernährungssicherheit.»

Es ist sicherlich nicht sinnvoll, Lebensmittel aus Ländern zu importieren, in denen die lokale Ernährungslage prekär ist. Man sollte aber bedenken, dass der Grossteil der Importe aus unseren Nachbarländern kommt. Oder aus anderen Ländern, die eine vielfach grössere Ackerfläche pro Kopf aufweisen als die gebirgige Schweiz. Dort zu produzieren, kann ökologisch sinnvoll sein. Zudem wird die lokale Ernährungssicherheit vor allem durch das Überangebot der grossen Agrar-Exporteure auf dem Weltmarkt und durch den mangelnden Zugang der lokalen Landwirtschaft zu Absatzmärkten eingeschränkt. Beides hemmt oder verhindert gar die Etablierung von starken und nachhaltigen landwirtschaftlichen Strukturen. Hier kann eine Nachfrage nach nachhaltig und fair angebauten Agrargütern eine positive Entwicklung in Gang bringen.

Stoppen wir die Agrarlobby!

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