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Fragen und Antworten

Fragen zur Kampagne

Wer steht hinter dieser Kampagne?

Diese Kampagne wird von den Umweltorganisationen BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura sowie WWF Schweiz ermöglicht. Getragen wird sie von Vertreterinnen und Vertretern aus der breiten Zivilgesellschaft – von Bäuerinnen und Bauern, über engagierte Forscherinnen bis zu besorgten Bürgerinnen und Bürger.

Wer finanziert die Kampagne?

Die Kampagne wird durch Beiträge von Stiftungen finanziert. Den Löwenanteil übernimmt dabei die Stiftung für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Was bezweckt die Kampagne?

Die Kampagne deckt auf, wie die Agrarlobby die Schweizer Landwirtschaftspolitik diktiert und durchdrückt, dass diese einseitig auf die Interessen des Agrobusiness ausgerichtet wird. Darunter leidet unsere Natur, die Konsument*innen und nicht zuletzt die Bäuerinnen und Bauern. Dieses schädliche System gilt es zu stoppen.

Weshalb wird diese Kampagne jetzt lanciert?

Unserer Natur geht es schlecht: Insektensterben, verseuchte Seen, Pestizide in Lebensmitteln, Verlust der Artenvielfalt. Keines der 13 Umweltziele Landwirtschaft des Bundes ist bis heute vollständig erreicht.

Die zukünftige Agrarpolitik (AP22+) der Schweiz wird momentan im Parlament verhandelt. Es besteht jetzt die Chance, endlich den notwendigen Qualitätssprung hin zu mehr Ökologie zu gehen. Diese Chance muss genutzt werden, denn die Klimakrise und das Artensterben dulden keinen Aufschub.

Haben die Menschen nach der Coronakrise nicht andere Sorgen? Ist es nicht wichtig, dass jetzt die Wirtschaft erstmal wieder in die Gänge kommt?

Die Corona-Krise zeigt uns einmal mehr, wie verletzlich wir alle sind, wie verletzlich diese Welt ist. Zwischen der Gesundheit von Ökosystemen, Menschen und Tieren gibt es keine Trennlinien. Der Umgang mit der Umwelt fällt unmittelbar auf uns zurück, im Guten wie im Schlechten. «One Health» muss spätestens jetzt konsequent umgesetzt werden. Das gilt auch für die Landwirtschaft.

Bauern und Landwirtschaft

Richtet sich die Kampagne gegen die Bauern bzw. die Schweizer Landwirtschaft?

Im Gegenteil: Wir wollen die Position der Bäuerinnen und Bauern stärken. Wir wollen mit ihnen eine Zukunft beschreiten, in der sie mit einer fairen und ökologischen Landwirtschaft ein gesichertes Einkommen finden und nicht abhängig sind vom Agrobusiness.

Gibt es keine wichtigeren (Umwelt-) Probleme als die Landwirtschaft?

Selbstverständlich werden Umweltprobleme nicht nur durch die Landwirtschaft verursacht – man denke an den Verkehr, die Energieerzeugung oder den Konsum. Doch weil die Produktion von Lebensmitteln sehr viel Fläche in Anspruch nimmt und auf diesen Flächen mit hohem Einsatz von Dünger und Pestiziden intensiv produziert wird, sind die negativen Folgen für die Umwelt sehr gross. Gemessen an den planetaren Belastungsgrenzen ist ein Wandel in erster Linie bei der Ernährung,beim Wohnen und bei der Mobilität notwendig.

Weshalb richtet sich diese Kampagne nur an die Landwirtschaft und nicht an andere Wirtschaftszweige?

Die Umweltorganisationen haben die Notwendigkeit erkannt, die Gesellschaft und die Landwirt*innen über den Einfluss des Agrobusiness aufzuklären und deshalb diese Kampagne gestartet. Die Umweltschutzorganisationen, die hinter dieser Kampagne stehen, arbeiten aber auch auf ganz anderen Themen wie dem Konsum, dem Finanzsystem oder dem Naturschutz.

Verwenden die Bauern nicht heute bereits bloss die minimal notwendige Menge an Pestiziden, Düngemitteln und Antibiotika?

Leider nein. Direktzahlungen stützen seit Jahrzehnten eine zu intensive landwirtschaftliche Produktion, die seit Jahren die aus den rechtlichen Grundlagen abgeleiteten Umweltziele nicht erfüllt, die Gesundheit der Menschen aufs Spiel setzt und die Umwelt schwer belastet.

Auf den Plakaten steht «Für Bauernfamilien statt Agrobusiness». Ist es nicht anmassend, dass die Umweltverbände die Bauernfamilien vertreten wollen?

Die Umweltverbände vertreten die Bauernfamilien nicht und massen sich das auch nicht an. Was wir aber wissen: Viele Bauernfamilien arbeiten heute hart für wenig Einkommen. Viele stellen die ökologischen Probleme ebenso fest. Wir sind deshalb überzeugt, dass eine Zukunft und Politik, die verstärkt auf die Wertschöpfung und die Zusammenarbeit mit der Natur setzt, schlussendlich besser für die Bauernfamilien sind als der von der Agrarlobby verteidigte Status-Quo.

Einzig für die Landwirtschaft bestehen Umweltziele. Warum nicht auch für andere Sektoren wie den Verkehr?

Aufgrund seiner grossen Relevanz für die Umwelt wurden 2008 die Umweltzielen im Sektor Landwirtschaft festgelegt. Die Umweltziele aus der Landwirtschaft sind aus rechtlichen Grundlagen hergeleitet, das heisst, sie sind gesetzlich verpflichtend. In der Gewässerschutzgesetzgebung sind zum Beispiel Grenzwerte für Pestizide festgelegt. Aber auch internationale Abkommen haben eine Bedeutung. Auch andere Sektoren müssen sich an geltendes Recht halten.

Agrarlobby und Agrobusiness

Wer ist die Agrarlobby?

Die Agrarlobby ist eine der mächtigsten Interessenorganisationen der Schweiz. Die Agrarlobby besteht dabei aus einem Netzwerk von Akteuren, die alle vom heutigen System profitieren und es bewahren wollen. Ein System, welches jährlich mit Steuermilliarden subventioniert wird und ökologische Fortschritte blockiert. Sprachrohr der Agrarlobby ist der Schweizer Bauernverband (SBV).

Wer ist das Agrobusiness?

Mit Agrobusiness meinen wir Produzenten und Händler von Pestiziden, Futtermitteln, Dünger und Saatgut, die Hersteller und Importeure von Maschinen, Grosshändler von Agrarrohstoffen bis hin zur Lebensmittelindustrie und den Detailhändlern. Das Agrobusiness ist personell und wirtschaftlich mit der Agrarlobby verflochten.

Inwiefern vertritt die Agrarlobby die Interessen des Agrobusiness?

Die Agrarlobby verteidigt den Status Quo einer auf Hochleistung getrimmter Landwirtschaft und will dafür trotz immer weniger Bauernbetriebe mehr Steuergelder. Initiativen für Bauernfamilien, für ökologischen Fortschritt und fair produzierte Lebensmittel wurden mehrfach nicht unterstützt oder sogar bekämpft. Von dieser Politik profitiert das Agrobusiness. Nicht aber die Bauernfamilien, nicht die Konsument*innen und nicht die Umwelt.

Weshalb vertritt die Agrarlobby die Interessen des Agrobusiness?

Das Agrobusiness ist eng mit der Agrarlobby verflochten. So ist die beispielsweise der Konzern fenaco neben anderen Akteuren des Agrobusiness Mitglied des Bauernverbandes. Das Agrobusiness profitiert stark von den Direktzahlungen und kann sich dadurch Einfluss erkaufen.

Produktion & Ernährungssicherheit

Wenn ökologischer produziert wird, dann sind die Erträge tiefer. Dadurch sinkt der Selbstversorgungsgrad und wir müssen mehr importieren. Ist das nicht kontraproduktiv?

Agrarökologische Methoden wie beispielsweise der Biolandbau produzieren hervorragende Produkte von guter Qualität ganz ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden. Dass Bioproduktion vergleichsweise weniger Ertrag liefert als konventionelle Produktion, ist zwar richtig. Die Ertragseinbussen können aber ausgeglichen werden, indem die Tierbestände gesenkt werden, mehr fruchtbare Ackerfläche für die direkte menschliche Ernährung zur Verfügung steht und Food Waste verhindert wird.

Zudem ist der Selbstversorgungsgrad nicht von den einzelnen Erträgen, sondern vielmehr von der Wahl der Kulturen abhängig. Nutzen wir unsere Äcker für die menschliche Ernährung anstatt für Futtermittel, so steigt der Selbstversorgungsgrad schnell stark an.

Wie hängen eine intakte Natur und Ernährungssicherheit zusammen?

Nahrungsmittel produzieren können wir nur solange wir auch fruchtbare Böden und viele Nützlinge haben. Wenn jedoch die Landwirtschaft so intensiv weiter produziert wie heute, sind unsere Böden und die Artenvielfalt gefährdet und somit auch die Versorgungssicherheit.

Ist es nicht wichtig, dass in der Schweiz möglichst viel Lebensmittel produziert werden?

Die Schweizer Verfassung fordert eine multifunktionale Landwirtschaft. Die Produktion von Lebensmittel und der Schutz der Biodiversität sind in Einklang zu bringen. Dass dies möglich ist, belegen bereits Tausende von Bäuerinnen und Bauern tagtäglich.

Tragen die Bauern nicht schon heute Sorge zur Natur? Sie sind ja darauf angewiesen, dass ihre Böden fruchtbar bleiben.

Es ist richtig, dass sich viele Bäuerinnen und Bauern für die Biodiversität einsetzen. Die Bilanz der intensiven konventionellen Landwirtschaft ist jedoch schlecht. Keines der Umweltziele wird erreicht. Die Probleme bestehen teilweise seit Jahrzehnten. Es braucht dringend griffige Massnahmen, um die ökologische Situation in der Landwirtschaft zu verbessern. Insekten- und Vogelsterben, Pestizide in den Gewässern und Nahrungsmitteln, überdüngte Wälder und Moore zeigen klar, dass das heutige System nicht funktioniert.

Gibt es genügend Konsument*innen, die bereit sind, ihre Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten anzupassen?

Umfragen zeigen klar, dass Konsument*innen ökologisch und fair produzierte Lebensmittel wollen. Wichtig ist, dass ein breites Angebot zu vernünftigen Preisen vorhanden ist. Heute ist das Angebot in vielen Segmenten kaum vorhanden, zudem werden beispielsweise Bio-Produkte durch überhöhte Margen verteuert.

Biodiversität

Wie schlimm ist das Insektensterben in der Schweiz? Weshalb ist dies ein Problem?

Das Insektensterben ist dramatisch. Gross angelegte internationale Studien haben gezeigt, dass in den letzten 10 Jahren ein Drittel der Insekten verschwunden sind. Den stärksten Rückgang stellten die Forschenden dabei in stark landwirtschaftlich genutzter Umgebung fest.

Insekten sind wie jede Art in das Lebensnetz der Natur eingebunden und deshalb essentiell. Jede Art, die von unserer Erde verschwindet, ist ein unersetzlicher Verlust. Insekten spielen sowohl bei der Bestäubung vieler Pflanzen inklusive Kulturpflanzen als auch für die Bodenfunktionen eine entscheidende Rolle. Sie sind also nicht nur für die Ökosysteme systemrelevant, sondern auch für die Landwirtschaft selber.

Wie schlimm ist das Vogelsterben in der Schweiz?

Insgesamt haben die Vögel des Kulturlandes die grössten Bestandseinbussen erlitten. 1990 wurde ein Monitoring der Brutvogelbestände eingeführt, weil viele Arten zwischen 1970 und 1990 stark abgenommen hatten. Seither sind die Bestände der spezialisierten Brutvögel der Landwirtschaftszone (UZL-Zielarten) sogar noch weiter zurückgegangen. Unglaublich: gleich fünf Vogelarten des Kulturlandes sind seit 1990 in der Schweiz ausgestorben! Gleichzeitig nehmen die Bestände zahlreicher Waldarten zu. Im direkten Vergleich finden sich in der Schweizer Landwirtschaftszone weniger Vogelarten als im grenznahen Ausland.

Sind nicht andere Faktoren (Überbauung, Zersiedelung…) für den Verlust der Artenvielfalt verantwortlich?

Nein, für den dramatischen Verlust der Artenvielfalt im Landwirtschaftsgebiet sind andere Faktoren weniger bedeutend. Natürlich wirken sich viele Faktoren negativ auf die Artenvielfalt aus. Die Überbauung und die damit verbundene Lebensraumzerstörung und Zerschneidung ist ein Aspekt. Für das Schwinden von naturnahen Lebensräumen wie Moore und artenreiche Trockenwiesen, sind in erster Linie übermässige Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft verantwortlich. Zum Verlust an wertvollen Strukturelementen in der Landschaft massgebend beigetragen, haben zudem Meliorationen und Güterzusammenlegungen.

Schliesslich werden in der Landwirtschaft grossflächig Pestizide eingesetzt. Diese wirken sich direkt oder indirekt auf Artenvielfalt aus, indem sie Lebewesen töten oder ihre Nahrungsgrundlagen schädigen.

Hilft die Landwirtschaft nicht auch, die Artenvielfalt zu erhalten?

Eine nachhaltige Landwirtschaft trägt viel zur Artenvielfalt bei. Viele Bäuerinnen und Bauern engagieren sich freiwillig zugunsten der Biodiversität. Das ursprünglich reiche Mosaik unterschiedlicher Nutzungen auf relativ kleinem Raum hat eine grosse Vielfalt an Lebensräumen und Artengemeinschaften hervorgebracht. Aber die Landwirtschaftspolitik entschädigt gute Leistungen zugunsten der Biodiversität viel zu wenig.

Die Biodiversitätsförderflächen reichen bisher in der Fläche und vor allem in der Qualität nicht aus, um die grossen Verluste zu kompensieren.

Pestizide

Was sind genau Pestizide, wo werden sie eingesetzt und weshalb sind sie ein Problem?

Pestizide sind – zum Teil hochtoxische – Substanzen, die in der Landwirtschaft, im öffentlichen Raum, im Gartenbau sowie in Privatgärten eingesetzt werden. Die Mittel werden eingesetzt um Nutzpflanzen vor unerwünschten Tieren wie Insekten (Insektizide), Schnecken (Molluskizide), Nagern (Rodentizide), unerwünschten Pflanzen (Herbizide) oder Pilzen (Fungizide) zu schützen.

Pestizide sind auch für andere, erwünschte Lebewesen giftig. So sind sie etwa mitverantwortlich für das Insektensterben und schädigen Wasserlebewesen in Bächen und Flüssen. Sterben die Insekten, finden viele andere Tiere wie Vögel keine Nahrung mehr und leiden ebenfalls. Pestizide kénnen aber auch für den Menschen giftig ein. Viele Wirkstoffe können Krankheiten wie Krebs oder Parkinson begünstigen oder können die Fruchtbarkeit schädigen.

Welche Mengen an Pestiziden werden in der Schweiz eingesetzt?

Leider liegen für die Schweiz keine Zahlen zu Einsatzmengen vor, bekannt sind nur die jährlichen Verkaufsmengen. Diese schwanken von Jahr zu Jahr und liegen momentan bei gut 2’000 Tonnen pro Jahr (auf den reinen Wirkstoff bezogen).

In den letzten 10 Jahren ist die Gesamtmenge der verkauften Pestizide um gut 8% gesunken. Diese Zahl sagt aber nicht viel über die Giftigkeit aus, da die Toxizität der einzelnen Wirkstoffe sehr unterschiedlich ist.

Über 40% der Menge der eingesetzten Pestizide sind mittlerweile Bio-Mittel. Ist das nicht ein Fortschritt?

Dass vermehrt Mittel aus dem Bio-Bereich eingesetzt werden, ist positiv. Da Bio-Mittel in grösseren Mengen eingesetzt werden müssen, um wirksam zu sein, fallen sie statistisch stärker ins Gewicht. Der Einsatz von hochgiftigen Insektiziden und Fungiziden nimmt dagegen kaum ab.

Die Grenzwerte für Pestizide werden doch meist eingehalten. Sind Rückstände im Trinkwasser und in Lebensmitteln nicht gesundheitlich unbedenklich?

Grenzwerte werden längst nicht immer eingehalten, gerade beim Trinkwasser haben momentan viele Gemeinden im Mittelland Mühe, Trinkwasser zu liefern, welches die Grenzwerte einhält.

Grenzwerte werden zudem für jeden Wirkstoff einzeln berechnet. Auf einem Grossteil der Lebensmittel und im Trinkwasser findet man jedoch mehrere verschiedene Wirkstoffe. Diese können sich gegenseitig beeinflussen und die negativen Effekte verstärken. Es bräuchte also einen Grenzwert für die Mischtoxizität. Ausserdem kann auch eine tiefe Konzentration gesundheitliche Schäden verursachen, wenn man ihnen ein Leben lang ausgesetzt ist. So sind Fälle von Krebs oder Parkinson auf Pestizide zurückzuführen. Stoffe, die die Gesundheit schädigen können, sollten im Sinne der Vorsorge nicht in unseren Umwelt und in unsere Lebensmittel gelangen.

Sinkt mit der drastischen Reduktion des Pestizideinsatzes nicht auch die Ernährungssicherheit, wodurch es zu vermehrten Importen von Lebensmitteln kommt, die lange Transportwege zurücklegen müssen?

Auch in einer Landwirtschaft ohne chemisch synthetische Pestizide, können hervorragende Produkte mit hoher Ertragssicherheit produziert werden, wie das die biologische Landwirtschaft schon seit Jahrzehnten beweist. Die Erträge würden dadurch leicht sinken, was aber durch eine Senkung der Tierbestände ausgeglichen werden kann, wodurch mehr Ackerfläche für den Anbau von Produkten zur direkten menschlichen Ernährung frei wird.

Auch viele Medikamente verschmutzen unsere Gewässer, warum werden trotzdem nur die Pestizide in der Landwirtschaft angeprangert?

Medikamentenrückstände stammen vor allem aus privaten Haushalten und werden mit dem Siedlungsabwasser über Abwasserreinigungsanlagen (ARAs) in Gewässer eingeleitet. Seit 2017 werden grosse ARAs in der Schweiz so aufgerüstet, dass auch Mikroverunreinigungen wie Medikamente herausgefiltert werden können. Erste positive Ergebnisse liegen bereits vor.

Da die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide mit dem Regenwasser direkt in unsere Gewässer und das Grundwasser gelangen, kann die technische Aufrüstung von ARAs dieses Problem nicht lösen. Pestizide sind fast überall auffindbar, in Wasser, Boden und selbst in der Luft. Sie schädigen Insekten und verschiedene Wasserlebewesen. Der Pestizideinsatz muss sinken und hochtoxische Wirkstoffe müssen verboten werden.

Verwenden Schweizer Bäuerinnen und Bauern nicht deutlich weniger Pestizide als im umliegenden Ausland?

Solche Länder-Vergleiche sind heikel, denn die Verkaufszahlen von Pestiziden können nicht direkt verglichen werden. Es muss etwa berücksichtigt werden, dass je nach Land andere Kulturen angebaut werden, was den Pestizideinsatz beeinflusst. Und: nicht alle Substanzen sind gleich giftig. Erst wenn es ein umfassendes Monitoring des Pestizideinsatzes gibt und man weiss, was, wo, wann und wie viel gespritzt wird, kann man Vergleiche mit dem umliegenden Ausland wagen.

Generell verursacht der Pestizideinsatz in der Schweizer Landwirtschaft enorme Probleme. Er verschlechtern die Trinkwasserqualität und ist mitverantwortlich für das Artensterben. Wollen wir unsere Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung schützen, müssen wir Massnahmen ergreifen, ganz unabhängig davon, was das Ausland macht.

Steuergelder

Wie viel Geld erhält die Landwirtschaft vom Staat?

Die Landwirtschaft wird mit einem ganzen Strauss von agrarpolitischen Massnahmen unterstützt. Die wichtigsten Instrumente sind die Direktzahlungen in der Höhe von gut 2.8 Milliarden Franken pro Jahr sowie der Grenzschutz mit einem Wert auf Stufe Produzentenpreise (Umsatz) von ca. 3.3 Milliarden Franken.

Weitere Vergünstigungen sind reduzierte Mehrwertsteuer auf gewisse Vorleistungen (z.B. Pestizide), Steuererleichterungen wie bei der Mineralölsteuer sowie Krankenkassenverbilligungen.

Sind die Direktzahlungen nicht bereits heute an Leistungen gebunden?

Nur knapp die Hälfte der Direktzahlungen sind an Leistungen gebunden, der Rest wird pauschal ausbezahlt.

Sind die Umweltverbände grundsätzlich gegen die Unterstützung der Bauern?

Die Umweltverbände befürworten die Unterstützung der Landwirtschaft und haben den Zahlungsrahmen stets mitgetragen. Wir sind aber der Meinung, dass Steuergelder für eine ökologische Landwirtschaft eingesetzt werden müssen, so dass versprochenen Leistungen auch erbracht werden.

Im heutigen System zahlen die Steuerzahler*innen doppelt: Einmal für die Unterstützung der Landwirtschaft und dann nochmals für die Behebung der von ihr verursachten Umweltschäden.

Tiere, Importfutter & Gülle

Wie viel Tierfutter für die Landwirtschaft importiert die Schweiz?

Die Schweizer Landwirtschaft importiert jährlich rund 1.8 Millionen Tonnen Futtermittel, davon rund 320'000 Tonnen aus Übersee. Die Menge hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Importiert werden neben Getreide und Soja aus Europa auch grosse Mengen an Soja aus Brasilien. Ebenfalls zunehmend sind Importe von Heu und anderem Raufutter.

Weshalb ist das Importfutter ein Problem?

In den letzten 10 Jahren ist der Import von Futtermittel um 30% gestiegen. Mit dem importieren Futter importiert die Schweiz auch sehr hohe Menge an Nährstoffen – vor allem Stickstoff. Dieser landet in den Form von Gülle in der Umwelt und belastet Böden, Gewässer und Wälder. Diese Überdüngung zerstört die Artenvielfalt und belastet über das Ammoniak auch unsere Atemluft. Zudem werden für den Anbau der Futtermittel in den Herkunftsländern grosse Flächen belegt, die dann nicht mehr für den Anbau von Lebensmitteln für die lokale Bevölkerung zur Verfügung stehen, bzw. werden durch die Abholzung des Regenwaldes indigene Gemeinschaften bedroht.

Gerade in tropischen Regionen ist der Anbau von Soja alles andere als nachhaltig, aufgrund der dünnen Humusschicht der ehemals tropischen Böden und der damit verbundenen schnellen Nährstoffauswaschung. Des Weiteren ist der globale Transport und die damit verbundene Abhängigkeit von grossen Agrofirmen der notwendigen Transformation zum Schutze des globalen Klimas nicht mehr angepasst.

Die Schweiz hat viel Grünland, auf welchen kein Ackerbau betrieben werden kann. Macht es nicht Sinn, Tiere dort zu halten?

Das ist richtig. Es ist durchaus sinnvoll, die Wiesen und Weiden im Berggebiet für die Tierhaltung zu nutzen, denn diese sind oft aus klimatischen Gründen nicht für alle Ackerfrüchte nutzbar, zu steil oder zu karg für den Ackerbau. Aber heute werden in der Schweiz viel mehr Tiere gehalten, als mit dem Grünland ernährt werden kann. So werden auf ackerfähigen Flächen im Mittelland Rinder, Schweine und Hühner intensiv gemästet. Mais wird für die intensive Milchproduktion angebaut und die Milch als Käse oder Milchpulver mit staatlicher Unterstützung ins Ausland exportiert. Es wird auch zu viel Tierfutter importiert, weil der Grenzschutz tief ist und die Fleischproduktion durch Zölle geschützt ist. Mit einer Reduktion der Tierzahlen können wir ganz auf Importfutter verzichten.

Ist Import-Fleisch nicht viel klimaschädlicher als Schweizer Fleisch?

Der Transport fällt in einer Ökobilanz nicht ins Gewicht (ausser bei Flugtransporten, Fleisch wird aber kaum eingeflogen). Importiertes Fleisch muss nicht klimaschädlicher sein als in der Schweiz produziertes.

Wir wollen jedoch nicht das Schweizer Fleisch durch Importfleisch ersetzen. Das Ziel muss sein, den Fleischkonsum insgesamt zu reduzieren. Wir in der Schweiz essen sowohl aus gesundheitlicher, als auch aus Umweltsicht deutlich zu viel Fleisch.

Fleischproduktion im Ausland ist punkto Tierhaltung im Vergleich zur Schweiz doch viel schlechter?

Auch wenn die Bedingungen in der Schweiz punktuell besser sind, gibt es v.a. in der Schweinehaltung sowie der Pouletmast in der Schweiz noch viel Verbesserungspotenzial. Wiederkehrende Skandale in der Schweizer Tierhaltung belegen zudem, dass die Vorschriften längst nicht immer eingehalten werden.

Der grösste Teil des Tierfutters stammt doch aus der Schweiz?

Bei Rindern stimmt dies. Bei Schweinen liegt der Inlandfutteranteil aber bloss bei 46.5% und beim Geflügel sogar nur bei 24.7%. Im Schweizer Fleisch steckt also eine gute Portion Ausland.